Wandern auf den Spuren der Geschichte Fragenstein

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wandern auf den Spuren der Tiroler Geschichte: Burg Fragenstein bei Zirl | Wie Zirler Schützen bayerischen Invasoren die sichere Beute „klauten“ | Folterungen sind der Grund, warum Fragenstein Fragenstein heißt

Spurensuche: Von einer Invasion, einer belagerten Burg und deren Zerstörung – allerdings nicht durch Feindeshand

Burgen üben eine große Faszination aus. Vor allem, wenn sie eine bewegte Geschichte haben. Ein besonders spektakulärer Fall ist die Burg Hörtenberg, die im Mittelpunkt der letzten Episode von „Spurensuche“ stand (der Artikel ist hier zu finden). Für einen ähnlichen Paukenschlag ist die Burg Fragenstein oberhalb von Zirl gut. Im wahrsten Sinn des Wortes. Deshalb führt uns die aktuelle Wanderung u.a. auf den Zirler Berg. Wir erfahren, wie eine feindliche Armee die Burg stürmte, die Verteidiger aber mit der Zerstörung der Festung schneller waren…

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 5:55 Minuten  (Erklärung hier)

Ausgangspunkt unserer Wanderung zur Burgruine Fragenstein ist das untere Ende der Auffahrt nach Hochzirl, gleich neben der Bundesstraße auf den Zirler Berg (wer mit dem Pkw anreist, aus Richtung Innsbruck kommend die zweite Zirler Ausfahrt nehmen, unter der Bundesstraße durchfahren und den Schildern zum Parkplatz folgen. Durch eine nur etwa 50 Meter östlich gelegene Fußgänger-Unterführung kommt man direkt zum Ausgangspunkt). Zuerst führt uns der Weg in die Schlossbach-Klamm bis zum Zirler Schießstand. Dort queren wir den Bach über einen Steeg und auf der anderen Seite geht es teils durch grob gehauene Fußgänger-Tunnel über einen Pfad wieder talauswärts. Dann folgt der steile Anstieg hinauf zur Burgruine. Diesen Weg nahmen einst auch schon Sigmund der Münzreiche und Kaiser Maximilian, wenn sie von Fragenstein durch die Schlossbach-Klamm zur Jagd in das Karwendel zogen.

Am 23. Juli 1703 bewegten sich ganz andere Gestalten auf diesen Wegen – um genau zu sein, eine ganze Armee. Im Verlauf des spanischen Erbfolgekrieges kam es nämlich zu einer Invasion der bayerischen Armee in Tirol. Der sogenannte „Bayerische Rummel“. Und im Visier hatten die Truppen aus dem Nachbarland an diesem Tag die Burg Fragenstein. Der Grund: die besondere strategische Lage am wichtigen Weg vom Inntal Richtung Mittenwald. In der Burg saßen Tiroler Schützen eingekesselt fest. Sie sahen letztlich keine Möglichkeit, die Burg gegen die Übermacht zu halten. Und sie entschlossen sich zu einer verwegenen Tat.

Die Burgruine wird seit einigen Jahrzehnten Stück für Stück renoviert. Recht gut erhalten ist der nordwestlich gelegene Weineck-Turm. Sehr in Mitleidenschaft gezogen war dagegen lange Zeit der markante Burgfried, dessen nordöstliche Ecke, dem Zahn der Zeit Tribut zollend, sogar abgebrochen und in die Schlossbach-Klamm

gestürzt war. Mittlerweile ist dieser Schaden aber wieder behoben, ein Einsturz abgewendet.

Schuld am Beinahe-Einsturz des Turms waren übrigens nicht die bayerischen Invasoren von 1703 sondern die einheimischen Verteidiger der Burg, die Zirler Schützen. In der aussichtslosen Lage der Belagerung durch die gegnerische Übermacht entwarfen die Tiroler einen verwegenen Plan. Sie bereiteten ihre heimliche Flucht vor, bereiteten aber die Burg gleichzeitig zur Sprengung vor. Wenn man sie selbst nicht halten konnte, sollte sie auch der Feind nicht bekommen. Und so wurde Fragenstein zur Ruine: Mit einem riesigen Donnerhall verabschiedeten sich die Verteidiger. Sie hatten alle Pulvervorräte in der Burg gezündet. Eine immense Explosion erschütterte den Boden, die Burganlangen stürzten großteils ein und in der Verwirrung entschwanden die Verteidiger. Den Bayern kamen innerhalb eines Wimpernschlages sowohl Gegner als auch ihre sicher scheinende Beute, die intakte Burg, abhanden.

Der Aufstieg zur Burgruine durch die Schlossbach-Klamm dauert nur etwa eine halbe Stunde. Wer mit einem solchen Spaziergang nicht genug hat, dem bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten. Wer beispielsweise mit Bahn oder Bus anreist, kann von Fragenstein aus über Waldwege bis nach Seefeld weiterwandern und von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln heimkehren. Wer zurück zum Ausgangspunkt, sprich Privat-Pkw muss, der kann eine idyllische Wanderung durch die Schlossbach-Klamm anhängen – dazu muss man nur zurück zum Zirler Schießstand (detaillierte Weginfos siehe Infobox unten). Für jene, die „viel Auslauf“ benötigen, bietet sich die Karwendelbahn-Runde an, die in Episode eins von „Spurensuche“ beschrieben wurde (hier zu finden).

Es recherchierte  Manfred Schiechtl

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Wandern auf den Spuren der Geschichte - Burg Fragenstein

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Der Burgfried der Burg Fragenstein: 47.278538, 11.238918
Der Weineck-Turm der Burg Fragenstein: 47.279048, 11.237987
Der Zirler Schießstand in der Schlossbachklamm: 47.279545, 11.239561
Der Steeg über den Schlossbach: 47.279672, 11.239052
Der Tunnel-Bereich des Steiges nach Fragenstein: 47.279396, 11.238703
Die Schlossbachklamm: 47.278571, 11.240398
Die Bundesstraße auf den Zirler Berg: 47.277727, 11.236577
Das Burg-Gelände von Fragenstein: 47.278440, 11.238358

WEGBESCHREIBUNG FÜR EINE GELUNGENE SPURENSUCHE
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  • Wanderroute zur Burg Fragenstein: Wer mit dem Auto anreist folgt der Auffahrt auf den Zirler Berg und wählt die zweite Zirler Ortsabfahrt. Anschließend unter der Bundesstraße durch und gleich dahinter links in die Seitenstraße einbiegen (Beschilderung Parkplatz folgen). Nach wenigen hundert Metern folgt am rechten Straßenrand eine Parkmöglichkeit. Danach geht es Zu Fuß nochmals etwa 50 Meter weiter und durch eine Unterführung wieder zurück auf die Norseite der Bundesstraße. Man gelangt zur Auffahrt nach Hochzirl. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite zweigt ein Weg in die Schlossbach-Klamm (Markierung „1“ in der Zauberfuchs-Karte) ein. Diesen wählen und zum Zirler Schießstand (Markierung „2“
  • Wandern auf den Spuren der Geschichte Burg Fragenstein
in der Zauberfuchs-Karte) aufsteigen. Links vom Schießstand befindet sich ein Steeg über den Schlossbach (Markierung „3“ in der Zauberfuchs-Karte). Auf der anderen Bachseite beginnt der eigentliche Weg nach Fragenstein – und zwar gleich mit einem Fußgängertunnel beginnend (Markierung „4“ in der Zauberfuchs-Karte). Die Gehzeit beträgt ca. 45 Minuten. Wer die Wanderung verlängern möchte, hat die Möglichkeit von der Burgruine (Markierung „5“ in der Zauberfuchs-Karte) nach Leithen aufzusteigen. Andernfalls geht es über die gleiche Strecke zurück.
  • Zusätzliche Wanderroute in die Schlossbach-Klamm: Durch das Tor des zuvor genannten Zirler Schießstandes in der Klamm oberhalb von Zirl gelangt man auf einen Wanderweg in die idyllische Schlossbach-Klamm (siehe Foto links). Man folgt dem Bach und gelangt bis an das Weg-Ende an einer Murensperre. Hin und retour muss man eine knappe Stunde veranschlagen. Diese Route bietet sich als Zusatz zur Fragenstein-Wanderung an.
  • Kombination mit Karwendelbahn-Route: Wem diese Möglichkeiten zu wenig sind, kann die Wanderung mit den Karwendelbahn-Routen kombinieren. Weiter Infos dazu sind hier zu finden.

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HINTERGRUND: BURG FRAGENSTEIN
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  • Die Entstehung: Die Burg Fragenstein  ist eine Gründung der Grafen von Andechs . Der genaue Zeitpunkt der Errichtung ist unklar, aufgrund von urkundlichen Erwähnungen der Herren von Fragenstein (Ministeriale der Andechser mit Sitz auf der Burg) vermutlich Anfang des 12. Jahrhunderts. Die Burg sollte den für den Salzhandel wichtigen Weg über den Seefelder Sattel sichern. Dabei war Fragenstein für das südliche Ende des Weges zuständig, die heute nicht mehr existente Burg Schlossberg  in Seefeld auf einer Kuppe am Fuße des Hocheggs für das nördliche Ende. Um 1248 gelangte die Burg an die Grafen von Tirol . Im 14. Jahrhundert wurde Fragenstein zweitweise nach ihren Besitzern auch Burg Weineck genannt. Der bekannte mittelalterliche Minnesänger Oswald von Wolkenstein (Schwager von Burgherr Parzival II. von Weineck) lebte damals zeitweise auf Fragenstein. Erzherzog Sigmund der Münzreiche und Kaiser Maximilian I. zogen sich gerne nach Fragenstein zurück. Sie nützten die Burg als Ausgangspunkt für ihre Gämsjagden über die Schlossbach-Klamm ins Karwendelgebiet. In der Zeit Maximilians I. wurde auch der damals zur Burg gehörende Zirler Weinberg errichtet.
  • Folterungen auf Fragenstein: Die Festung war im 13. Jahrhundert Gerichtssitz, worauf auch der Name laut Wikipedia hinweisen dürfte. Unter „Frag“ verstand man damals ein Verhör und mit der „Frag“ war die Folter gemeint.
  • Die Zerstörung: Im Verlauf des spanischen Erbfolgekrieges kommt es am 23. Juli 1703 zu einem Einfall der Bayern in Tirol. Diese Invasion wurde unter dem Namen Bayrischer Rummel  bekannt, Fragenstein eines der ersten Ziele der bayerischen Truppen. Tiroler Armeeeinheiten hatten sich auf Fragenstein verschanzt und standen einer drückenden Übermacht der Bayern gegenüber, der sie nicht standhalten konnten. Um sie nicht in Feindeshände fallen zu lassen, sprengten Zirler Schützeneinheiten vor dem Rückzug schließlich die Festung. Seit damals verfällt die Ruine. Fragenstein wurde nie mehr aufgebaut.
  • Die Renovierung: Von der einst sehr weitläufigen Burg sind nur noch wenige, wenn auch imposante Teile (Burgfried, Weineck-Turm) erhalten. Der Österreichische Burgenverein startete 1933 mit der Renovierung. Dadurch konnten die beiden Türme vor dem weiteren Verfall gerettet werden. Vor allem der Burgfried drohte einzustürzen, die komplette nordöstliche Ecke war bereits in die Schlossbach-Klamm gestürzt.
Fotos: Google Earth, Schima (7)