Tiroler Liebeslöffel im Fokus

Brauchtumsforscher haben die einst beliebten Tiroler „Liebeslöffel“ im Fokus

Forscher der Universität Innsbruck befassen sich derzeit ausgiebig mit Tiroler Brauchtum. Im Fokus der Wissenschaftler stehen dabei vor allem alte Bräuche um Liebesgaben.

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Löffel mit eindeutigen Inschriften und Verzierung waren etwa jahrhundertelang bevorzugte Geschenke verliebter Burschen und Mädchen (mehr dazu hier). Überreichte eine Bursche einer Maid einen derartigen Löffel, wussten alle über den Hormonspiegel der beiden bescheid. Die Forscher befassen sich aber vor allem mit Ableitungen von Sprüchen und Redewendungen aus dieser Tradition. Erhalten gebliebene Liebeslöffel können im Volkskunstmuseum bestaunt werden.

So wurde beispielsweise der Ursprung der Volksweisheit „Er hat den Löffel abgegeben“ jetzt auf einen verliebten Innsbrucker Burschen im 17. Jahrhundert zurückgeführt, der seiner Angebeteten einen dieser Liebeslöffel geschenkt hatte, diese Handlung aber für den Burschen in einer Katastrophe geendet hatte. Die beiden heirateten nämlich. Eine andere Redewendung – „Sie hat ein paar hinter die Löffel bekommen“ – geht auf einen Unterländer Mann im 16. Jahrhundert zurück, der

Liebeslöffel gleich an mehrere Frauen verteilte. Dies endete mit einer Katastrophe für die Damen, denn der Mann heiratete alle und verschwand dann. Zurück blieben die Frauen, nicht aber deren Habe. Der Mann gilt als erster, bekannter Heiratsschwindler Tirols. „Die Suppe selber auslöffeln“ ist wiederum eine im Oberland bekannte Weisheit. Sie bezieht sich auf die Opfer des zuvor beschriebenen Heiratsschwindlers, die nicht auf die Hilfe ihrer Eltern zählen durften, da diese ja immer schon vor dem Herrn gewarnt hatten.

Auch die Redewendung „Alles in die Wiege gelegt bekommen haben“ bezieht sich ursprünglich auf den Liebeslöffel-Brauch. In Zeiten vor der sexuellen Revolution war mit dem Wort „Alles“ ein Löffel gemeint, den der Mann seiner Geliebten ins Bett legte um ein Nähebedürfnis auszudrücken. Fand die Frau den Liebeslöffel zwischen ihren Polster, tauschte sie diesen dann heimlich mit dem Mann aus. Und bekam alles.

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