Bald Sperrstunde für das Internet in der Türkei

Erst Twitter und dann YouTube: Bald Sperrstunde für das Internet in der Türkei

Zuerst ließ der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Twitter sperren. Es folgte YouTube. Und eine Ende ist nicht in Sicht. Schon wird über weitere Sperren gemunkelt. Das Internet nähert sich in der Türkei jedenfalls mit Riesenschritten der Sperrstunde.

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Die weltweiten Proteste gegen Erdogans Vorgehen sind groß. Der Politiker lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken. Eine unerwartete Schlüsselrolle nimmt allerdings die türkische Justiz in der Zwischenzeit ein. Ein Istanbuler Gericht hob die Sperre von Twitter nämlich wieder auf. Erdogan plant aber bereits Gegenmaßnahmen. Um derartiges Aufsperren bei der Einführung künftiger Sperren zu verhindern, soll eine Nachrichtensperre darüber verhängt werden.

Mit unerwarteten Folgen. Türkische Medien nahmen diese Ankündigung wörtlich und stellten daraufhin sofort freiwillig alle TV-Nachrichtensendungen ein. Auch die Zeitungen drucken keine Nachrichten mehr. Sie wollen abwarten, was mit der Nachrichtensperre im Detail gemeint ist.

Ebenfalls gesperrt ist mittlerweile übrigens auch die private Kreditkarte von Recep Tayyip Erdogan. Dies geschah allerdings nicht auf Basis eines Erlasses, sondern aufgrund einer dreimaligen falschen Eingabe des Karten-Pins bei einem Einkaufsbummel des Ministerpräsidenten.

Die Sperr-Sucht von Erdogan sorgte dieser Tage zudem für diplomatische Verwicklungen zwischen Österreich und der Türkei. Der türkische Botschafter in Wien ließ verlauten, dass die Autobahnsperre zwischen den Abschlussstellen Kufstein-Süd und Kufstein-Nord am 1. Dezember 2013 nicht auf einen Erlass der türkischen Regierung zurückging. Der Diplomat wies jedwede Verantwortung zurück, nachdem zuvor Gerüchte im Tiroler Unterland aufgetaucht waren, dass auch diese Sperre von der Türkei ausgegangen war.

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